Idylle, Intrigen und zerschnittene Porträts: „Lady Violet und die Geheimnisse des Landhauses“
Nach ihrem Abstecher in die schottischen Highlands verschlägt es Lady Violet Belmaine und ihren Begleiter Hugh St. Sevier im vierten Band der charmanten Regency-Reihe von Grace Burrowes in den idyllischen Lake District. Was als entspannter Besuch bei ehemaligen Kameraden aus St. Seviers Militärzeit geplant war, verwandelt sich jedoch rasch in ein feines Geflecht aus dörflichen Feindseligkeiten und geheimnisvollen Anschlägen.
Kleinkrieg hinter herrschaftlichen Fassaden
Grace Burrowes setzt auch in diesem Fall ganz auf die bewährten Zutaten eines klassischen Regency Cosy Crimes: Ein malerisches Setting, feine gesellschaftliche Umgangsformen und eine aufgeweckte Hobbyermittlerin, die sich von standesgemäßen Zwängen nicht den Blick fürs Wesentliche verstellen lässt.
Besonders gelungen ist diesmal die Ausgangslage. Statt des klassischen Leichenfunds zu Beginn wird das Anwesen von einer Reihe merkwürdiger Sabotageakte heimgesucht. Von zerschnittenen Ahnenporträts bis hin zu gezielten Zerstörungen im Garten wird schnell klar, dass hier jemand schmutzige Wäsche aus der Vergangenheit wäscht und alte Kameradschaften gezielt zerstört werden sollen. Das gibt der Handlung eine erfrischende Note und lädt zum schrittweisen Miträtseln ein.
Ein eingespieltes Team mit leisen Tönen
Ein großer Pluspunkt der Reihe bleibt die Dynamik zwischen den Charakteren. Das Zusammenspiel von Violet, dem besonnenen Arzt Hugh St. Sevier und dem auftauchenden Sebastian MacHeath sorgt für gewohnt humorvolle Reibungspunkte und viel britischen Charme. Burrowes nimmt sich spürbar Zeit für die Zwischenmenschlichkeit und die Sorgen der Nebenfiguren, was der Geschichte viel Wärme verleiht.
Kleine Abzüge gibt es lediglich beim Erzähltempo im Mittelteil. Wer einen reinen Spannungs-Thriller erwartet, wird sich an den ausführlichen Teesituationen und dörflichen Beziehungsgeflechten vielleicht etwas stoßen. Wie für das Genre üblich, plätschert die Handlung streckenweise eher gemütlich dahin, bevor die Fäden im Finale schlüssig zusammenlaufen.
Mein Fazit
Eine rundum gelungene, behagliche Fortsetzung für alle Fans von historischen Kriminalromanen, die leise Töne, ein schönes Landschaftssetting und kluge Detektivarbeit zu schätzen wissen. Ideal für einen gemütlichen Nachmittag mit einer Tasse Tee.
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐ (4 von 5 Sternen)


Comments are closed, but trackbacks and pingbacks are open.