Dein Text aus Jury-Perspektive: Was entscheidet über Erfolg bei Schreibwettbewerben?

Du hast alle Regeln beachtet, die Fristen eingehalten und dein Manuskript ist perfekt formatiert. Doch wie entscheidet sich eine Jury letztendlich, welche Texte in die engere Auswahl kommen? Wer liest deine Geschichte – und mit welchen Augen?

Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen der Jury-Arbeit und verraten dir, worauf es ankommt, wenn dein Beitrag aus der Masse herausstechen soll.

1. Wer liest deinen Text wirklich? Die bunte Mischung

Vergiss das Bild vom einsamen, verstaubten Professor, der über dein Manuskript brütet. Die Realität ist: Die Jury-Zusammensetzung ist oft vielfältig und genau das macht den Prozess so spannend – und unvorhersehbar.

  • Vielfältige Leserschaft: Große Preise haben oft Kritiker, Verleger, Literaturwissenschaftler und bekannte Autoren in der Jury. Bei kleineren Ausschreibungen (wie für Anthologien) setzen die Veranstalter häufig auf eine bunte Mischung aus Menschen mit Lesepassion und unterschiedlichen Hintergründen.
  • Der Geschmack zählt: Denke daran, dass jeder Juror einen individuellen Lesegeschmack hat. Was Person A begeistert, lässt Person B kalt. Ein Text muss also eine gewisse Bandbreite ansprechen, ohne beliebig zu werden.

2. So funktioniert der erste Filter – Ein Blick in unsere Vergangenheit

Wir von der Textgemeinschaft wissen genau, wie intensiv der Auswahlprozess ist, denn wir haben selbst über Jahre hinweg erfolgreich Schreibwettbewerbe veranstaltet und Anthologien herausgegeben. Unser System basierte auf Fairness und Vielfalt:

  • Das 3er-Prinzip: Jeder eingereichte Text wurde bei uns von mindestens drei Personen gelesen. Das stellte sicher, dass die Entscheidung nicht vom Zufall oder der Tagesform eines Einzelnen abhing.
  • Bewertung nach Noten: Die Jurymitglieder vergaben Noten für Kriterien wie Originalität, Stil, Plot und Thementreue. Nur der Durchschnitt dieser Noten entschied darüber, wer in die nächste Runde kam.
  • Der unterschiedliche Lesegeschmack als Stärke: Texte, die es schafften, bei Lese-Enthusiasten mit komplett unterschiedlichen Vorlieben gut anzukommen, zeigten die höchste Story-Qualität und hatten die besten Chancen.

3. Die drei wichtigsten Erfolgsfaktoren für Jurys

Egal, wie die Jury zusammengesetzt ist, die folgenden drei Punkte sind universell entscheidend:

A. Der Einstieg (Der „Hook“)

Die Lesegeschwindigkeit bei hunderten von Einreichungen ist hoch. Du hast wenige Absätze, um die Aufmerksamkeit des Jurors zu sichern. Der erste Satz, der erste Absatz muss Fragen aufwerfen, die den Leser zwingen, weiterzulesen. Ein langer, zögerlicher Beginn, der Charaktere umständlich einführt, wird oft schnell beiseitegelegt.

B. Die Konsistenz (Sauberes Handwerk)

  • Der Stil: Deine Prosa muss sitzen. Fehler in Grammatik und Rechtschreibung signalisieren mangelnde Sorgfalt und lenken von der Geschichte ab.
  • Die Story-Qualität: Der Text muss im Rahmen der gegebenen Länge (Kurzgeschichte, Romanausschnitt) funktionieren. Ist der Konflikt klar? Sind die Dialoge natürlich? Zeige professionelles Schreibhandwerk.

C. Die Originalität (Der Aha-Moment)

Bei Themenwettbewerben liest die Jury dutzende Texte zum gleichen Motto. Deine Interpretation muss überraschen. Die Jury sucht nicht nach der offensichtlichen Lösung, sondern nach einem einzigartigen Blickwinkel. Trau dich, unkonventionelle Wege zu gehen.

Wenn du das nächste Mal einen Text für eine Wettbewerbsteilnahme vorbereitest, denke an unsere Jury: Dein Text muss drei sehr unterschiedliche Menschen überzeugen. Konzentriere dich auf deinen stärksten Einstieg und dein sauberstes Handwerk.

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