Lohnen sich Themenwettbewerbe? Eine Analyse und wie du dein Manuskript anpasst

Die Einladung ist verlockend: Ein spannendes, konkretes Thema wie „Mensch, Maschine, Maskerade“ oder „Durch“ eröffnet einen neuen Schreibimpuls. Aber sind Themenwettbewerbe wirklich der beste Weg, um deine Arbeit einzureichen und dich als Autor zu positionieren?

Der Aufwand, ein Manuskript exakt auf ein Nischenthema zuzuschneiden, ist hoch. Hier analysieren wir die Vor- und Nachteile von Wettbewerben mit einem festen Motto und zeigen dir, wie du deine Chancen maximierst. Immerhin haben wir selbst lange Zeit Themenwettbewerbe durchgeführt.

Die Herausforderung: Enge thematische Korsetts

Im Gegensatz zu Wettbewerben mit freiem Thema (wie oft bei Debüt-Preisen) oder Genre-Ausschreibungen (wie dem SERAPH für Phantastik) verlangen Themenwettbewerbe eine exakte Erfüllung des Mottos.

Das kann riskant sein: Wenn deine Interpretation des Themas von der Jury als zu weit hergeholt empfunden wird, landest du schnell im „Passt nicht“-Stapel, selbst wenn der Text herausragend ist.

Vorteile von Themenwettbewerben

  1. Geringere Konkurrenz (Manchmal): Das enge Korsett filtert Teilnehmer heraus, die sich scheuen, ein komplett neues Werk zu schaffen. Die Einreichungszahlen sind oft niedriger als bei freien Ausschreibungen.
  2. Klarer Fokus: Die Thematik gibt dir einen starken Impuls und einen klaren Fokus für deinen Plot. Das kann Schreibblockaden lösen.
  3. Gezielte Veröffentlichung: Viele Themenwettbewerbe (besonders von Kleinverlagen) resultieren in einer Anthologie. Wenn du das Thema triffst, ist die Chance auf eine Erstveröffentlichung in diesem spezifischen Kontext hoch.

Nachteile von Themenwettbewerben

  1. Gefahr der Zwangsanpassung: Ein bereits fertiges Manuskript für ein Motto umzubiegen, führt oft zu unnatürlichen oder erzwungenen Wendungen. Im schlimmsten Fall leidet die Story-Qualität.
  2. Zeitintensiv: Wenn du neu schreiben musst, bindest du viel Zeit an ein einziges Projekt, das nur eine Chance auf Erfolg hat.
  3. Nischen-Reichweite: Dein Werk wird in einer spezifischen Nische veröffentlicht (z.B. der Anthologie zum Motto). Die allgemeine Reichweite ist geringer als bei einem großen Buchpreis.

Deine Strategie: Manuskript-Anpassung ohne Zwang

Wenn du dich für eine Wettbewerbsteilnahme mit festem Thema entscheidest, nutze diese zwei strategischen Ansätze:

A. Der Subtext-Check

Suche in deinen vorhandenen Texten nach einem Werk, das das Thema im Subtext oder durch eine zentrale Metapher bereits streift.

  • Beispiel: Verlangt der Wettbewerb „Heimat“? Du hast eine Geschichte, in der die Protagonistin verzweifelt eine verloren geglaubte Sache sucht. Kann diese Sache metaphorisch für Heimat stehen?
  • Anpassung: Statt die Handlung zu ändern, musst du nur die Eingangssequenz und das Finale so umformulieren, dass der thematische Subtext in den Vordergrund rückt.

B. Die Minimal-Injektion (Beim Neuschreiben)

Wenn du neu schreibst, versuche nicht, das gesamte Motto in jeden Satz zu pressen. Wähle stattdessen ein Kernelement des Themas, das als Motor der Geschichte dient, und bleibe dabei.

  • Beispiel: Beim Motto „Mensch, Maschine, Maskerade“ konzentriere dich auf die Maskerade und nutze die Maschine nur als Auslöser für eine Identitätskrise beim Menschen. Das hält deinen Plot fokussiert und vermeidet, dass der Text überladen wirkt.

Fazit: Themenwettbewerbe lohnen sich, wenn du eine frische Idee hast, die perfekt passt, oder wenn du gezielt eine Veröffentlichung in einer Anthologie anstrebst. Sie sind weniger geeignet, um ein bestehendes Großprojekt nur marginal anzupassen. Sei ehrlich zu dir selbst: Funktioniert die Geschichte auch ohne den thematischen Zwang?

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