Der Selfpublishing-Buchpreis: Ein Erfahrungsbericht

Gastartikel von Johanna Gerhard

Im März ist es so weit: Im Rahmen der Leipziger Buchmesse wird nach zwei Jahren Pause endlich wieder der Selfpublishing-Buchpreis vergeben. Dabei handelt es sich um einen Jury-Preis, der verlagsunabhängig veröffentlichte Titel prämiert und die Vielfalt und Qualität selbstveröffentlichter Titel einem breiten Publikum präsentiert. Die Gewinner erhalten nicht nur ein attraktives Preisgeld, sondern ihre Bücher werden für einige Wochen in rund 300 Thalia-Filialen ausgelegt.

Für Selfpublisher, die sämtliche Kosten im Veröffentlichungsprozess selbst tragen und nach wie vor damit zu kämpfen haben, überhaupt Sichtbarkeit im stationären Buchhandel zu erfahren, ist dieser Preis somit überaus attraktiv.

Daher ist es wohl wenig überraschend, dass ich bereits vor Veröffentlichung meines erstens Romans beschlossen habe, mich damit für den Selfpublishing-Buchpreis 2022 zu bewerben.  Aber die Selbstsicherheit, mit der ich schon zu dem Zeitpunkt behauptet habe, dass ich mit diesem Buch den Preis gewinnen würde, die hat dann doch die ein oder andere Person überrascht.

Das Ding ist: Ich war von Anfang an überzeugt, dass ich ein gutes Buch geschrieben habe. Außerdem habe ich alles getan, um es möglichst professionell zu verpacken, indem ich mir professionelle Dienstleister für Cover, Lektorat und Korrektorat gesucht habe. Wieso sollte ich also meine Überzeugung, dass mein Buch gewinnen kann, für mich behalten?

Natürlich hat das dazu geführt, dass mir gesagt wurde, ich solle meine Erwartungen lieber runter schrauben, um am Ende nicht enttäuscht zu sein. Und ja, die Wahrscheinlichkeit, aus rund 700 Einsendungen in der Kategorie Belletristik unter die Top 10 zu kommen, war nicht besonders hoch. Doch für mich ist das Gefühl von Enttäuschung nicht so schlimm, als dass man es um jeden Preis vermeiden muss. (Zumal das eh nicht geklappt hätte, wenn wir ehrlich sind. Und auch das wäre in Ordnung gewesen.)

Mir war wichtiger, dazu zu stehen, dass ich von meinem eigenen Werk überzeugt bin. Auch das Risiko, arrogant zu wirken, war mir lieber als eine künstliche Bescheidenheit, immerhin war (und bin) ich stolz auf mein Buch, und das durfte (und darf) auch jeder wissen.

Trotzdem war es natürlich ein fantastisches Gefühl von Bestätigung, als ich es auf die Longlist geschafft habe. Rein statistisch gesehen war das die größte Hürde. Die Chancen, unter die Top 3 und schließlich auf Platz 1 zu kommen, wurden immer besser. Irgendwie hatte es was Ermutigendes für mich, dass auch die Zahlen immer mehr zu meinem Gefühl passten, dass mein Buch den Preis erhalten würde.

Nachdem ich es dann auch auf die Shortlist geschafft habe, war für mich klar, dass ich mich so auf die Preisverleihung vorbereiten würde, als ob ich bereits gewonnen hätte. In meinem Kopf war kein Platz für Angst oder Enttäuschung. Ich wollte einfach den Prozess genießen, mich auf die Preisverleihung freuen, und mein Buch feiern.

Ich habe Beiträge für die sozialen Medien vorbereitet, neue Fotos machen lassen, Pressemeldungen geschrieben und meine weiteren Schritte geplant, um gut für die Tage nach der Preisverleihung gewappnet zu sein.

Es war eine tolle und intensive Zeit, die ich in sehr positiver Erinnerung habe, und die ihren krönenden Abschluss darin gefunden hat, dass mir im Oktober 2022 der Selfpublishing-Buchpreis für meinen Roman „Der Klang von Feuerblau“ verliehen wurde.

Natürlich folgten danach noch einige Highlights, von Zeitungsartikeln über Radio-Interviews oder auch die Hörbuch-Produktion meines Romans. Es war auch ein unglaubliches Gefühl, mein Buch in diversen Buchhandlungen stehen zu sehen.

 Am meisten freue ich mich jedoch über den gläsernen Pokal, der jetzt in meinem Arbeitszimmer steht. Er erinnert mich daran, dass auch andere Menschen in meinem Roman das gesehen haben, was ich von Anfang an darin gesehen habe. Vor allem aber ermutigt er mich, weiterhin den Ideen zu folgen, die mich mit dieser Gewissheit erfüllen, dass sie etwas Besonderes sein können. So, wie es auch bei „Der Klang von Feuerblau“ der Fall gewesen ist.

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